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Eiskalt eingeschlagen - Arnulf Wennings "Eisdame"
und der Beginn einer bemerkenswerten Solokarriere

Ein Beitrag von Christian Reder
Foto: Redaktion (KI bearbeitet)



Als Arnulf Wenning Mitte der 1980er Jahre seine erfolgreiche Zeit bei der Kultband Reggae Play hinter sich ließ und den Schritt zum Solokünstler wagte, ahnte wohl kaum jemand, dass ausgerechnet ein Song mit dem ungewöhnlichen Titel "Eisdame" zu seinem größten Hit werden würde. Die 1986 veröffentlichte Produktion gehört heute zu den bekanntesten Pop-Schlagern der späten DDR und markiert zugleich den Beginn einer kurzen, aber äußerst erfolgreichen Solo-Ära des Sängers.

Der Weg zu diesem Titel begann eher zufällig. Nach dem Ende verschiedener Bandprojekte erhielt Wenning von der Sängerin Angelika Weiz den Rat, den renommierten Komponisten und Produzenten Arnold Fritzsch kennenzulernen. Wenig später begegneten sich beide bei einer Veranstaltung in Pirna. Fritzsch war von Wenning überzeugt und lud ihn zu sich nach Hause ein. Dort entstanden - in Fritzschs damaligem Wohnzimmerstudio - gleich die beiden Songs "Eisdame" und "Rot so rot", die den Grundstein für Wennings Solokarriere legen sollten.

Musikalisch war "Eisdame" ein Paradebeispiel für modernen DDR-Pop der zweiten Hälfte der 1980er Jahre. Arnold Fritzsch kombinierte eingängige Synthesizer-Klänge, tanzbare Rhythmen und einen Refrain mit hohem Wiedererkennungswert. Der Song klang international, ohne seine ostdeutsche Handschrift zu verlieren. Gerade diese Mischung sorgte dafür, dass sich der Titel schnell von anderen Produktionen jener Zeit abhob. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. "Eisdame" entwickelte sich zum größten Hit in Arnulf Wennings Karriere. Der Titel erreichte mehrfach Spitzenplätze in den damaligen Wertungssendungen und verschaffte seinem Interpreten eine enorme Popularität. Im Fernsehen war Wenning plötzlich Dauergast, unter anderem in Sendungen wie "bong", "klik", "rund" oder "STOP! Rock". Zwischen 1985 und 1987 führten ihn Konzerte und Fernsehauftritte nicht nur durch die DDR, sondern auch nach Ungarn, Polen, Bulgarien, in die CSSR, die Sowjetunion sowie bis nach Syrien, Jordanien und in die Mongolei.





Noch im selben Jahr erschien "Eisdame" auf einer AMIGA-Quartett-Single (Katalognummer 5 56 142). Neben dem Titelsong enthielt die EP die Lieder "Mädchen", "Rot so rot" und "Frau oder Mann" - sämtlich aus der Feder von Arnold Fritzsch. Die Aufnahmen entstanden sowohl im Rundfunkstudio als auch beim Fernsehen der DDR. Die Quartett-Single wurde für viele Musikfreunde zum ersten Kontakt mit Arnulf Wenning als Solokünstler und gehört heute zu den bekanntesten Veröffentlichungen aus der AMIGA-Reihe. Interessant ist, dass Wenning selbst "Eisdame" auch viele Jahre später noch mit einem ganz besonderen Erlebnis verbindet. In unserem Interview aus dem Jahre 2008 erzählte der Sänger, dass er während der damaligen Tournee mit dem Song in der Leipziger Kongresshalle einmal vom Orchester von Fips Fleischer begleitet wurde. Dieser Auftritt mit einer großen Big Band beeindruckte ihn nachhaltig. Rückblickend bezeichnete er den Klang als überwältigend und sieht darin sogar einen wichtigen Auslöser dafür, dass er sich Jahre später intensiv dem Swing widmete. Seine spätere musikalische Entwicklung hatte also ihre Wurzeln ausgerechnet in der Zeit, als die "Eisdame" auf dem Höhepunkt ihres Erfolges stand.

Bemerkenswert ist außerdem, dass "Eisdame" bis heute nichts von ihrem Kultstatus verloren hat. Der Titel erschien im Laufe der Jahre auf zahlreichen Samplern mit den erfolgreichsten DDR-Hits, wurde mehrfach auf CD wiederveröffentlicht und sogar von Arnulf Wenning selbst neu aufgenommen. 2007 entstand eine neue Version für die CD-Ausgabe seines AMIGA-Albums, und 2023 veröffentlichte der Sänger mit "Heiß wie Eis" eine weitere Single, auf der sich erneut eine modernisierte Fassung von "Eisdame" befindet. Dass ausgerechnet dieser Titel über Jahrzehnte hinweg das musikalische Aushängeschild Arnulf Wennings blieb, überrascht eigentlich nicht. "Eisdame" vereint alles, was einen guten Pop-Hit ausmacht: eine eingängige Melodie, einen markanten Refrain, eine zeittypische, aber hochwertig produzierte Klangästhetik und einen Interpreten, dessen Stimme den Song unverwechselbar macht. Der Titel steht exemplarisch für die kreative Aufbruchsstimmung der ostdeutschen Popmusik Mitte der 1980er Jahre und gehört ohne Zweifel zu den Liedern, die den Sound dieser Zeit bis heute mitprägen.

Vier Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung ist "Eisdame" deshalb weit mehr als nur eine nostalgische Erinnerung. Der Song dokumentiert den gelungenen Start einer Solokarriere, die ohne ihn für Arnulf Wenning vermutlich nie diesen Verlauf genommen hätte, und bleibt zugleich eines der eingängigsten und erfolgreichsten Poplieder, die die DDR-Musiklandschaft hervorgebracht hat.



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