© Deutsche Mugge (2007 - 2026)
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Ein Konzertbericht mit Fotos von Patrick Baumbach



Am 29. August 2026 gab sich Henning Protzmanns Panta Rhei in der südthüringischen Kurstadt Bad Salzungen die Ehre. Wie Henning mir im Vorfeld verriet, freute er sich ganz besonders auf diesen Auftritt, war er doch schon eine ganze Weile nicht mehr in dieser Ecke zu Gast. Der Veranstaltungsort hätte passender kaum sein können: Im malerischen, intimen Biergarten des Haunschen Hofs - idyllisch oberhalb des Burgsees gelegen - fanden sich zahlreiche Musikfreunde bei bestem Open-Air-Wetter ein. Einem hochklassigen Konzertabend vor stilvoller Kulisse stand somit nichts im Wege.

20260828b 1 20260901 2085695176Nostalgische Wurzeln und Karat-Reminiszenzen
Pünktlich um 20:30 Uhr betrat das Ensemble die Bühne. Nach dem eröffnenden Instrumental-Intro "Soulness", bei dem jeder der Musiker gleich zu Beginn mit feinen Improvisationen seine handwerkliche Klasse aufblitzen ließ, enterte auch Frontmann Ben Mayson das Parkett. Den Auftakt des regulären Sets bildeten die Klassiker der legendären Vorgängerformation: "Der Blues" vom ersten und einzigen Studioalbum von Panta Rhei machte den Anfang, gefolgt von "Aus und vorbei" und "Stunden". Da Karat eine der prägendsten Stationen in Protzmanns Musikerleben darstellt, durfte auch ein Ausflug in diesen Bandkosmos nicht fehlen. Als absolutes Highlight erwies sich dabei "Auf den Meeren", das an diesem Abend deutlich souliger und swingender daherkam, als man es gemeinhin im Ohr hat. Ein packendes instrumentales Call-and-Response-Duell zwischen den Tasten von Matthias Hessel und dem Saxofon von Maximilian Semrau erweiterte das Arrangement kongenial - ganz im Geiste jener legendären Live-Duelle zwischen Gitarre und Keyboard, die Karat-Konzerte in den Achtzigern prägten.

Nicht fehlen durfte natürlich auch der "Blues" (1979 auf dem Erfolgsalbum "Über sieben Brücken" erschienen) mit der existenziellen Frage, wann es einem Menschen eigentlich wirklich gut geht. Hennings neu erweiterter Text verlieh der Nummer eine scharfe gesellschaftskritische Note: Vielen gehe es eben erst gut, wenn das Konto prall gefüllt sei - "Es dreht sich alles nur ums Geld in dieser schönen Welt". Feinsinnige Ironie blitzte kurz darauf bei "Ich mach heute mal gar nichts" auf, ebenfalls ein Text aus Hennings Feder. Ein humorvoller Seitenhieb auf Zeitgenossen, die vorgeben, nur kurz die Seele baumeln zu lassen, um schließlich in einer Endlosschleife des Müßiggangs zu versacken. Dann ist das Leben vorbei, und was wurde erreicht: gar nichts!

Zwischendurch streute der Karat-Gründer charmante Anekdoten aus der Anfangszeit dieser Band ein: Irgendwann im Jahr 1974 traf Henning in einer Berliner Musikerkneipe am Ostkreuz auf Ulrich Pexa. Nach ein paar Drinks spielte Pexa ihm erste Demoaufnahmen vor. "Mensch, das klingt ja wie von den Beatles!", entfuhr es Henning damals - "Wir müssen eine Band gründen!" Der Rest ist Rockgeschichte und der Beginn von Karat. Folgerichtig servierte die heutige Panta-Rhei-Besetzung mit "Leute, welch ein Tag" einen der allerersten Karat-Titel überhaupt - arrangiert in einer herrlich mitreißenden Samba-Version, bei der Ben Mayson das Publikum gekonnt mit Call-and-Response-Gesängen zum Mitsingen animierte.

Internationales Flair und große Balladen
Nach einer kurzen Pause eröffnete das zweite Set mit internationalem Repertoire. Ein furioses Fats-Domino-Medley aus "I'm Walkin'", "Blueberry Hill" und "When the Saints Go Marching In" riss auch die letzten Zweifler von ihren Sitzen; R&B-Kracher wie Ray Charles' "Hit the Road Jack" heizten die Stimmung weiter an.

Mit "Finis" folgte die Reminiszenz an den Ausklang der historischen Panta-Rhei-LP - hier präsentiert in einer wunderbar entspannten, unaufgeregt swingenden Interpretation. Den emotionalen Schlusspunkt setzten zwei herausragende Balladen: Zunächst "Nachts", einst von Veronika Fischer interpretiert und bis heute einer der ganz großen Panta-Rhei-Klassiker (wundervoll dargeboten und für mich eins der großen Highlights des Abends), gefolgt von der gefühlvollen Zugabe "You Are So Beautiful" (Billy Preston).

Handwerk, Charme und Spielfreude pur
Was diesen Abend so besonders machte, war die pure Spielfreude auf der Bühne. Wer beim Stichwort "Jazz" an verkopfte, elitäre Attitüden denkt, wird bei Henning Protzmann und seinen Mannen eines Besseren belehrt. Getreu seinem Credo "Musik muss Spaß machen" bekommt das Publikum hier exquisit arrangierte, handwerklich makellose Kost serviert - federleicht, zugänglich und ohne jedes geschwurbelte Gehabe.


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Das Ensemble harmoniert blind: Über Hennings souveräne Bassarbeit muss man ohnehin keine Worte mehr verlieren; Matthias Hessel an den Keyboards knüpft mit warmen Piano-, E-Piano- und Orgelsounds genau an jene klangliche Tiefe an, die einst Ed Swillms prägte. Karsten Gradmann steuert das Geschehen an den Drums mit einer perfekten Balance aus rhythmischer Raffinesse und Leichtigkeit, während Maximilian Semrau mit seinen Saxofonen stets den optimalen Ton zwischen Melodieführung und feinsinniger Improvisation trifft.

Ein Sonderlob gebührt Frontmann Ben Mayson - nicht nur für sein markantes, soulgetränktes Timbre, sondern vor allem für seine Bühnenpräsenz. Er führt mit einer entwaffnenden Mischung aus Charme, Witz und Spontaneität durch das Programm. Wenn es hinter ihm kurz hakt, weil am Schlagzeug noch eine Schraube justiert werden muss, wird die Lücke nicht verlegen totgeschwiegen, sondern frei von der Leber weg pointiert überbrückt. Keine auswendig gelernten Schablonen-Gags, wie man sie von manch anderem Tour-Frontmann bis zum Überdruss kennt, sondern echte, lebendige Interaktion. Spontaneität und höchste Professionalität schließen sich eben nicht aus.

Fazit
Sollte Henning Protzmanns Panta Rhei bei euch in der Region gastieren: Hingehen! Man muss kein ausgewiesener Jazz-Liebhaber sein, um dieses Konzert zu genießen - die Truppe macht die Musik für jeden im Saal erlebbar. Das spiegelte sich nicht zuletzt im durchgehend entspannten Lächeln des Bandchefs wider: Hier steht ein Musiker auf der Bühne, der schlicht und ergreifend ehrliche Freude an dem hat, was er tut. Eine Qualität, die in unserer durchgetakteten Musiklandschaft selten und umso wertvoller geworden ist.






Fotostrecke:
 



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